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Bild zum Blog-Beitrag Stillstand - Familie Thumann

Stillstand – wir machen eine Reisepause.

So geht es uns in der Corona-Zeit!

Am 13. März nehmen wir die Fähre nach Italien und hoffen von dort aus weiter nach Griechenland zu kommen. Wir wollen die Corona-Zeit am besten im Warmen aussitzen.

Doch über Nacht überschlagen sich die Ereignisse. Grenzen schließen, Häfen werden dicht gemacht und die Stimmung an Board des Schiffs bringen uns letztendlich dazu uns auf den Weg nach Deutschland zu machen. Im Ernstfall wollen wir so schnell wie möglich bei der Familie sein und nicht erst durch mehrere Länder fahren müssen, die uns vielleicht länger festhalten als nötig.

Zwei Wochen Selbstquarantäne ohne Strom- und Wasseranschluss.

Die ersten beiden Wochen sind nicht einfach für uns. Wir haben stark mit der Kälte zu kämpfen. Verbrauchen eine Gasflasche pro Woche und ziehen mehrere Schichten Kleidung auch im Bett nicht aus. Es hat Minustemperaturen, für welche unser Wohnmobil nicht ausgelegt ist. Wir haben keinen doppelten Boden und irgendwie pfeift der Wind durch alle Ritzen.

Großes Glück haben wir allerdings mit der kleinen Holzhütte, die auf dem Grundstück steht, auf dem wir unsere Selbstquarantäne aussitzen. Den Ofen feuern wir meist gleich nach dem Frühstück an, so dass der Holzvorrat schnell schrumpft.

Nun ist das komplette Gegenteil von dem eingetreten, was wir uns Anfangs von der Corona-Zeit ausgemalt hatten.

Anstatt Sonne und sommerlichen Temperaturen, haben wir Minustemperaturen und Angst, dass es jeden Moment zum Schneien anfängt.

Durch das anhaltende schlechte Wetter lädt sich unsere Solarbatterie im Wohnmobil nicht auf. So wird unser Medienkonsum ganz von alleine eingegrenzt. Handy, Laptop und Tablet können nicht regelmäßig aufgeladen werden. Wir vertreiben uns die Zeit mit viel basteln, lesen, malen, spielen. Machen eine Schatzsuche, bauen ein Lager, backen Pizza im Steinofen und müssen natürlich des Öfteren Holz hacken.

Einen Wasseranschluss gibt es hier auch nicht. Auf Reisen haben wir bereits gelernt, mit unserem 120 Liter Wassertank zu haushalten. So müssen wir nur einmal in den beiden Wochen auftanken. Das erledigt Moritz bei meinen Eltern, die nur ein paar Minuten von uns entfernt wohnen.

Ein seltsames Gefühl ganz in der Nähe der Eltern, und doch so fern zu sein. Vor allem für die Kinder ist es schwer zu verstehen. Sophie zählt die Tage und kann es kaum erwarten. Jonas begreift nicht, warum Oma und Opa uns denn gar nicht besuchen kommen.

Eine Zweizimmerwohnung ist viel zu groß für uns.

Als wir dann ins Haus meiner Eltern ziehen, freuen wir uns auf warme vier Wände und müssen uns erstmal an die Größe gewöhnen. Soviel Platz hatten wir schon lange nicht mehr. Dabei kam uns die Zweizimmerwohnung in der Vergangenheit immer viel zu klein für eine vierköpfige Familie vor.

Auch hier gibt es einen Holzofen, also müssen wir die ersten Tage in den Wald und neues Brennholz beschaffen.

Für die Kinder wird das ein aufregender Tag. Opa hat in den Monaten, in denen wir nicht da waren den alten Traktor zum Laufen gebracht. Links und rechts dürfen die beiden Kinder Platz nehmen und dann geht es in Schrittgeschwindigkeit über die Straßen und Felder.

In unserer Wohnung halten wir uns meist in der Küche auf. Das Wohnzimmer wird gar nicht genutzt. Wir sind nach wie vor einfach gerne auf einem Haufen.

Wir sind glücklich in Deutschland zu sein und genießen diese intensive Zeit mit der Familie. Das Wetter wird besser und sehr zu unserer Freude steigen die Temperaturen. Wir sind viel draußen. Wir machen Sport, Sophie lernt Einrad zu fahren, Jonas gräbt den Garten mit seinem Bagger um. Wir genießen das leckere Essen von Oma und freuen uns über frische Brezen vom Bäcker. Wir pflanzen jede Menge Gemüsesamen und beobachten wie sie täglich ein Stück größer werden. Wir legen Felder an und graben Kartoffeln ein. Wir machen Fahrradtouren und Wanderungen in der Umgebung.

Am richtigen Ort zum jetzigen Zeitpunkt.

Wir halten uns an die Corona bedingten Vorschriften, ziehen uns zurück uns bleiben unter uns. Mittlerweile denken wir auch, wir hätten keinen besseren Platz finden können für diese Reisepause.

Es ist für uns ein wunderbarer Ort, denn hier ist unsere Heimat. Die Nachrichten verfolgen wir nicht regelmäßig. Ehrlich gesagt bekommen wir von einer Krise auch hier wenig mit. Wir sind zum Glück alle gesund und wohl auf und können die Zeit mit der Familie genießen. Einmal die Woche wird der Großeinkauf gemacht und den Rest verbringen wir miteinander im besten Fall in der Natur. Da wir eh sehr langsam reisen, stört uns dieser längere Zwischenstopp nicht.

Zeit um unser Wohnmobil zu renovieren.

Es ist nun genug Zeit für Reparaturen am Wohnmobil, die schon längst fällig sind. Ein Unfall beim Rückwärtsfahren hat uns den Fahrradträger in die Wand gedrückt, so dass ein größeres Loch seit längerem nur mit Klebeband geflickt ist. Der Boden muss erneuert werden, eine Trockentoilette wird eingebaut und eigentlich ist das Bad auch nicht so, wie wir uns das vorstellen.

Momentan sieht der Innenraum ähnlich aus, wie vor einem Jahr, als wir zum ersten Mal renoviert haben. Aber wir haben jetzt genug Zeit dafür.

Die Abende nutzen wir gerne, um weitere Routen zu planen und träumen uns schonmal ins nächste Abenteuer.

Unser Video zu den letzten 4 Wochen Corona-Quarantäne

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