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Bereits im März wollten wir nach Griechenland mit dem Wohnmobil übersetzen, doch Corona machte uns vor ein paar Monaten einen Strich durch die Rechnung.
Doch auch jetzt, 5 Monate später, ist kurz vor der Überfahrt noch unklar, ob wir es wirklich auf die Fähre schaffen. Warum? Das erfahrt ich in diesem Blog-Beitrag.

Schon lange ist Griechenland in unseren Köpfen.

Wir buchen unsere Fähre von Ancona (Italien) nach Igoumenitsa (Griechenland) 2 Tage vor Departure. Seit Juli sind wir nun schon wieder on the road mit unserem Wohnmobil durch Europa. Die Vorfreude auf Griechenland ist groß. So groß, dass wir spontan nicht wie geplant über den Landweg fahren, sondern uns für den schnelleren Seeweg entscheiden.

Ein Angebot, welches wir so noch nicht kannten.

Die Fähre von Ancona nach Igoumenitsa dauert 16 Stunden. Bei der Buchung können wir zwischen einer Kabine, Überfahrt an Deck oder Camping an Bord buchen. Camping an Bord? Das haben wir zuvor noch nie gemacht. Wir wussten bis zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal, dass sowas überhaupt möglich ist. Kein packen vorab, wir können im eigenen Bett schlafen, Badezimmer wie gewohnt nutzen und dürfen im Wohnmobil kochen. Hört sich genial an und vor allem unglaublich entspannt.

Wir buchen die Überfahrt bei www.directferries.de
Der Preis errechnet sich nach der Fahrzeuggröße.
Unser Wohnmobil ist 7 m lang, 3,20 m hoch und wir bezahlen 490 € für die einfache Fahrt.

Aufregung am Hafenterminal.

Die Nacht vor der Fähre nach Griechenland haben wir in Ravenna verbracht. Nach dem Frühstück packen wir alles an seinen Platz und machen uns startklar. Da wir nicht wissen, was auf den Straßen im August am Meer entlang los ist, planen wir ein bisschen extra Zeit ein. Zwei Stunden vor Abfahrt der Fähre kommen wir deshalb auch schon am Hafen von Ancona an. Wir sind uns ein wenig unschlüssig, welche die richtige Einfahrt ist, dürfen aber nach der Ticketkontrolle problemlos passieren. Er erklärt uns, dass wir noch einchecken müssen, wir sollen einfach den Schildern folgen. Alles klar, das war einfach. Los gehts. Moritz dreht den Schlüssel, doch es tut sich einfach nichts. Der Motor springt nicht an. Immer wieder versucht er zu starten, wird nervös, die Schweißperlen auf der Stirn sind zu erkennen und noch immer passiert nichts.
Vor einer Woche hatten wir schon ähnliche Probleme in Kroatien. Wir haben uns eine neue Batterie gekauft, doch als wir diese einbauen wollten, lief der Motor wieder ganz normal. Mit der neuen Batterie im Gepäck versuchen wir nun die alte Batterie im Motor zu überbrücken.

Gut, dass wir 2 Stunden vor Abfahrt angekommen sind, doch es ist bereits eine halbe Stunde davon verstrichen. Also schnappe ich mir unsere Ausweise und mache mich auf den Weg zum Check-in-Schalter. Moritz wartet auf Hilfe. Ein Hafenmitarbeiter hat jemanden angerufen, der das Auto überbrücken kann. Eine Batterie hat Moritz noch nie in ein Auto gebaut, darum wollte er jetzt in der Hektik das Ganze vermeiden.
Ich folge den Schildern Richtung Check-in. Laufe eine ganze Weile, doch der Check-in scheint weiter weg zu sein als gedacht. Irgendwie werde ich nervös. Unser großer Zeitpuffer schwindet dahin und die Abfahrtszeit rückt immer näher. Auf den Straßen ist nicht viel los. Fußgänger begegnen mir gar keine. Irgendwie verwirrt und überfordert mit der Situation laufe ich wieder zurück bis zu einem Hafengate und erkundige mich bei einem Hafenmitarbeiter.
Dieser schickt mich zu einer Bushaltestelle. Dort fährt ein kostenfreier Shuttle-Service zum 2 km entfernten Check-in Gebäude. Ohmann, da wär ich noch lange gelaufen. Natürlich muss ich an der Bushaltestelle warten. Die digitale Anzeigetafel zeigt mir 5 Minuten Wartezeit an und diese kommen mir tatsächlich wie eine Ewigkeit vor. Als ich einsteige, fährt der Bus gefühlt in Schrittgeschwindigkeit die Straßen entlang. Eine Uhrzeit habe ich bislang nicht im Blick, was nicht gerade zur inneren Gelassenheit führt. Ich habe nichts eingepackt, nur die Reisepässen in die Hand genommen. Das Handy habe ich bei all der Aufregung im Wohnmobil liegen gelassen und eine Armbanduhr trage ich schon lange nicht mehr.

Der Bus fährt um die letzte Kurve gefühlt noch langsamer und bis er vor dem Check-in Gebäude zu stehen kommt, ist meine Nervosität auf Anschlag. Zum Glück ist auch hier kaum was los und ich laufe einfach wie wild drauf los. Eine schnelle Fieberkontrolle und dann bin ich auch schon im Gebäude drin. Ein Mitarbeiter fragt nach meinen Tickets, aber die habe ich nicht dabei. Doch mit den Pässen sollte es auch klappen. Nur 3 Personen stehen vor mir. Trotzdem ist die Wartezeit in meiner Situation gerade ewig. Als ich dran komme und der Person hinterm Ticketschalter erkläre, warum ich keine Tickets habe, wo ich hin will und ihr meine Pässe rüberreiche, teilt sie mir mit, dass ich am falschen Schalter stehe. Super, also nochmal anstehen. Mittlerweile habe ich eine Uhrzeit im Blick. Eine große Uhr, eine digitale Uhrzeit die immer wieder mein Blickfeld kreuzt. Jetzt weiß ich nicht, was mir lieber gewesen wäre. Einfach nicht wissen, wie schnell die Zeit vergeht oder zu beobachten wie Sekunde um Sekunde verstreicht. Ich kann meinen Blick kaum noch abwenden. Es sind noch genau 45 Minuten bis Abfahrt, als ich an der Reihe bin. In meinem Kopf ist einiges los. 45 Minuten Zeit um hier aus dem Gebäude zu kommen, auf den Bus zu warten, der mich dann wieder in langsamsten Tempo zurückbringt, die letzten Meter bis zum Wohnmobil zu laufen, zum Terminal zu fahren und aufs Schiff zu kommen. Vorausgesetzt das Auto läuft.
Völlig zerstreut erkläre ich dem Mitarbeiter hinter Schalter Nummer 2 meine Situation. Dieser erklärt mir ganz ruhig, dass wir auch ohne Tickets einchecken können, doch für das Wohnmobil braucht er den Fahrzeugschein. Shit! Auch an den habe ich nicht gedacht. Was kann eigentlich alles schief laufen? Der Mitarbeiter schickt mich also weg mit den Worten, ich solle mich beeilen, wenn wir die Fähre nach Griechenland noch erwischen wollen.

In Zeiten von Corona gibt es in so öffentlichen Gebäuden ganz bestimme Regeln, die eingehalten werden müssen. Eine davon ist, nur in eine Richtung zu laufen. Völlig unter Strom renne ich einen Mitarbeiter in die Arme, der mich streng zurechtweist und mich zurückschickt. Der Ausgang befindet sich nämlich auf der anderen Seite.
Als ich draußen an der Bushaltestelle stehe und auf den Bus warte, habe ich mich schon damit abgefunden, dass wir die Fähre wohl heute nicht mehr erwischen. Moritz ist noch immer nicht hier am Gebäude angekommen. Was, wenn das Auto immer noch nicht läuft? Was wenn der Schaden größer ist als nur die Batterie? Na ja, dann bleiben wir wohl noch ein wenig in Italien. Gleichzeitig schießt mir aber noch ein anderer Gedanke in den Kopf. Was ist, wenn ich jetzt in diesem Bus in Schrittgeschwindigkeit zurückfahre, Moritz das Auto doch zum Laufen gebracht hat und wir die Fähre vielleicht doch noch erwischen können. Aber was ist, wenn Moritz zeitgleich mit dem Wohnmobil Richtung Check-in Gebäude fährt und ich in diesem unglaublich langsamen Bus ans andere Ende des Hafens fahre?

In diesem Moment kommt der Bus um die Ecke und in mir kommt wieder die Nervosität hoch. In Zeitlupe öffnen sich die Schwingtüren des Busses und ich steige ein, suche mir einen Sitzplatz und schaue unruhig aus dem Fenster.
Ohhhh wie krass. Da kommt Moritz um die Ecke, ich stolper aus dem Bus und laufe ihm entgegen. Schreie ihm zu, dass ich den Fahrzeugbrief brauche. Er parkt, rennt mir entgegen, nimmt mir die Pässe ab und läuft Richtung Check in Gebäude. Ich gehe ins Wohnmobil zu den Kindern, die auch beide unter Strom und völlig aufgeregt sind. Gut das ich genau weiß, wie ich die Kinder in so einer Situation runter bringe. Ich gebe ihnen ein Eis. Ruhe kehrt ein und ich setzte mich nach vorne auf den Beifahrersitz und merke, wie ich auch ich langsam wieder zu mir komme. Es sind mittlerweile nur noch 20 Minuten bis die Fähre ablegt.

Die letzten paar Meter laufen reibungslos. Bevor wir aufs Schiff dürfen, füllen wir noch eine Selbstauskunft aus, dass wir keinen Kontakt mit Corona hatten und reihen uns zu den anderen Fahrzeugen an Deck ein.

Eine Überfahrt die uns lange in Erinnerung bleibt

Kaum geparkt, legt das Schiff auch schon ab. Das offene Deck, auf dem wir stehen, ist kaum belegt. Nur wenige Camper sind an Bord. Es hat auch keiner etwas dagegen, dass wir uns nochmal umstellen. Wir fahren von der Mitte des Decks auf die gegenüberliegende Seite. Hier haben wir Meerblick ohne das jemand zwischen uns steht. Jetzt werden alle neugierig und wir brechen auf zur Erkundungstour.

Anek Lines / Superfast

Um den Passagieren die Überfahrt so angenehm wie möglich zu gestalten, hat Anek Lines alles an Bord um das zu ermöglichen. Es gibt mehrere Restaurants mit griechischen und internationalen Spezialitäten sowie Bars und Cafés. Das Wetter und die Aussicht aufs Meer lassen sich am besten an Deck auf einem der Liegestühle genießen. Der Pool ist während unserer Überfahrt aufgrund von Corona leider geschlossen.
Die Geschäfte an Bord lohnen sich sicherlich für den ein oder anderen, denn die Artikel vieler Marken sind auf See steuerfrei erhältlich. Ein Kinderspielplatz ist ebenfalls vorhanden. Den ganzen Aufenthalt rundet die griechische Gastfreundschaft ab. Diese ist bereits ab der ersten Minute zu spüren.

Meerblick vor der Haustür, Dinner mit Sonnenuntergang, salzigen Fahrtwind im Gesicht.

Wir genießen diese Überfahrt so sehr. Die Tatsache, dass wir es überhaupt auf die Fähre nach Griechenland geschafft haben macht uns derart glücklich, dass wir über beide Ohren strahlen. Wir laufen über die Decks, erkunden sie von außen und innen. Bleiben so lange an der Reling stehen bis der Hafen von Ancona am Horizont verschwindet.
Doch die Reederei bekommt die Auswirkungen von Corona sichtlich zu spüren. Es sind nicht viele Urlauber unterwegs. Obwohl wir im August nach Griechenland übersetzen sind die Camper an Bord überschaubar. Für uns hat es etwas angenehmes. Wir dürfen Tisch und Stühle aus der Garage räumen da genug Platz vorhanden ist. Luxus pur, denn wir genießen unser Abendessen direkt an der Reling des Schiffs. Inklusive traumhaften Sonnenuntergang über dem Meer und angenehmen, salzigen Fahrtwind im Gesicht. Wir haben hier eine Terrasse direkt am Meer.
Noch lange sind wir wach, unterhalten uns mit anderen Campern, trinken Wein und schmieden Pläne für Griechenland.
Noch immer brennt das Feuer, die Vorfreude für Griechenland. Wir können es kaum erwarten.

Die Nacht in unseren eigenen Betten war, wie zu erwarten, sehr gut. Wir stehen früh auf, denn die Aufregung lässt uns nicht lange im Bett verweilen. Wieder dieser Bilderbuchausblick aufs Meer. Die Sonne erscheint am Horizont und wir könnten glücklicher nicht sein. Schon kurz darauf spüren wir die Wärme, die von der Sommersonne aus geht. Frühstück findet genauso wie das Abendessen am Tag zuvor, neben dem Meer statt. Doch es bleibt nicht mehr viel Zeit und wir müssen unser Wohnmobil packen.
Als wir den Motor starten sind wir erleichtert, denn er springt ohne Probleme an. Moritz hat die neue Batterie dann doch noch einbauen müssen. Wollen wir hoffen, dass jetzt erstmal Ruhe ist.

Ankunft.

Jasas Griechenland!
Oh wie haben wir uns auf dich gefreut. Unser Start könnte besser nicht sein. Strahlender Sonnenschein und gleich der erste Stellplatz ist direkt am Strand des türkisblauen Wassers. Wir sind uns einig. Griechenland wird gut werden.

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